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Der Moment

Sein Blick viel auf den Weihnachtsbaum, der die Aula der Schule schmücken sollte. Er tat es aber nicht. Selbst der teuerste Baum mit den schönsten Schlaufen würde diese Pausenhalle nicht verschönern können, dachte sich Simanuel. Er zog herabschätzend an einem der Plastikzweige und ließ ihn zurückschnippen, dass die großen Kugeln (der Hausmeister muss sie von seiner Oma geschenkt bekommen haben) hin- und herwippten, anschlugen und abzufallen drohten, so dass er sie schützend bremsen musste. Dabei stieß er ein „Üähh“ aus – ein Oh-nein-das-wollte-ich-nicht-Laut, der ihm beim retten der übergroßen Omakugeln half.
Elaisa lachte laut auf und sah ihn kopfschüttelnd an. „Ja, was? Ich wollte das nicht!“, antwortete Simanuel, der auch anfangen musste zu lachen. „Ich habe gehört, du hast 12 Punkte, Ela! Wow!“ Elaisa, welche sich gerade erst von ihrem fragendem Gesichtsausdruck gelöst hatte, verfiel sofort wieder in die unter ihren Freunden bekannte „Ela’s Stirngerunzelstarre“. Sie begründete diesen Ausdruck mit dem Drang, wichtige Fragen hervorheben zu wollen. In vielen Fällen schienen aber auch die unwichtigsten Fragen mehr Pfeffer zu verdienen, denn Elaisa verfiel recht oft in diese Stellung. „Wa? Woher weißt du denn das schon wieder?“
Simanuel deutete zu Melanie, einer Klassenkameradin seiner Kumpelin. (Elaisa und er waren eigentlich sehr dicke Freunde, doch seitdem ihr Partner sich mit ihm angelegt hatte, sie würden viel zu eng befreundet sein, benahmen sie sich in der Schule nur noch normal und nicht mehr wie zwei Menschen, die sich mehr als zwei normale Bekannte mochten.) Melanie plauderte gerne Informationen aus und die Sache mit den Punkten gehörte dazu, als Simanuel vor zehn Minuten nach der Arbeit gefragt hatte. Ela hatte mal wieder die beste Arbeit geschrieben. Das kommt öffters vor. Sie war die Klassenbeste, obwohl sie eher den Anschein machte, als würde sie den ganzen Tag Talkshows im TV gucken. „Achso“, erwiderte sie kurz und ließ sich dann von einem Mitschüler ablenken, der sie von der Seite antippte.
Simos Blick verfiel in eine Traumwelt. Er träumte immer, wenn er die Chance dazu hatte, denn Träume können in einer Welt spielen, die man in Echt nie umsetzen könnte. Sie erschaffen ein eigenes kleines Reich nach eigenen Regeln und Gesetzen. Träume bieten einen Raum, in dem man sich wohl fühlt und all die Probleme vergessen kann, die ihn im echten Leben nicht loslassen wollen.
„Hey!“, hörte er eine Stimme. Die Traumwelt verblasste vor seinen Augen und die hässliche Pausenhalle nahm wieder Gestalt an. „Hinter dir, Simo!“, erklärte die Stimme ungeduldig. Es war Saliva. Sein Herz wollte schmelzen und er wollte sich ihr sofort in die Arme schmeißen. „Hey“, erwiderte er und lächelte sie an. „Netter Baum“, schmunzelte sie und breitete die Arme aus, um ihm zu symbolisieren, dass er sie gerne umarmen durfte. Er trat näher an sie heran und umarmte sie, drückte sie an sich und schloss seine Arme hinter ihr. Ihr süßer Geruch strömte in seine Nase und er schloss die Augen, um den Moment zu genießen. Durch seinen Körper floss eine eigenartige Wärme und als er die Augen wieder öffnete nahm er die Aula schon um Einiges schöner wahr. „Ja, bei der Tanne fühlt man sich ja fast wie zu Hause“, antwortete er. Sie rollte die Augen und brummelte: „Ich fühle mich ganz unwohl mit Elaisa im Rücken. Baum hin oder her – das ist nicht heimisch.“ Simanuel lächelte sie aufmunternd an. „Ach, Sali!“ „Ja?“, meinte sie, „Egal, ich werde jetzt zu meinen Leuten gehen“, und dann verschwand sie auf dem Gang. Geh zu deinen Leuten und ich bleibe bei meinen, dachte sich Simo und das warme Gefühl wich langsam genauso schnell aus seinem Körper, wie Saliva verschwand. Er wandte sich zu Elaisa und ihrem Freund, der sich inzwischen dazugesellt hatte, und sah ihnen kurz beim fummeln zu, bis sich vor seinen Augen die kleine Traumwelt erschloss. Er spürte wie sich der kalte Strom der Einsamkeit durch seinen Körper fraß und ließ sich dann gänzlich in seine zweite Welt fallen. Er träumte immer, wenn er die Chance dazu hatte, denn Träume können in einer Welt spielen, die man in Echt nie umsetzen könnte.
8.12.06 19:46


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Es ist einfach un[START]bar ... keine Ahnung, [WER] so un[ARCHIV]ierbares archiviert, echt ma!